Das Geschäftsfeld Sicherheit und Resilienz leistet mit den Projekten KMU-Lagebild und dem Fraunhofer Resilience Evaluator FReE einen wichtigen Beitrag in der Resilienzforschung

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Naturkatastrophen wie Hurrikan Irma (2017) verdeutlichen, wie wichtig resiliente Infrastrukturen sind.
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Blackout in New York City nach Hurrikan Sandy im Jahr 2012.
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Die Komplexität unserer Städte nimmt zu: eine Nachtaufnahme von Bangkok.

Die Coronapandemie hat unsere Gesellschaft in vielen Bereichen stark erschüttert. Vor allem die Wirtschaft wurde schwer getroffen: Bei vielen Unternehmen kam es zu Störungen der Lieferketten, oder es fielen wichtige Kundinnen und Kunden weg. Diese Pandemie wird nicht die letzte Krise sein, die unsere Wirtschaft und Gesellschaft herausfordert. Wenn Unternehmen weiter allein auf klassische Methoden der Risikoanalyse und des Risikomanagements setzen, die ausschließlich erwartbare Risiken betrachten, erzeugt die nächste Krise weitere massive Schäden. Krisen sind oft unvorhersehbar und lösen komplexe Kaskadeneffekte aus, welche vom klassischen Risikomanagement nicht berücksichtigt werden.

 

Resilienz als neues Sicherheitskonzept

Genau an dieser Stelle setzen Forschende aus dem Geschäftsfeld Sicherheit und Resilienz am Fraunhofer EMI an. Um Resilienz als neues Sicherheitskonzept für Organisationen und Unternehmen zu etablieren, wurden das Projekt KMU-Lagebild (Resilienzphasen-begleitetes Lagebild für kleine und mittlere Unternehmen (KMU)) sowie die Entwicklung des Fraunhofer Resilience Evaluators FReE initiiert.

Bisher eher bekannt aus der Psychologie, findet das Konzept der Resilienz mittlerweile interdisziplinär und damit auch in der zivilen Sicherheitsforschung seine Anwendung. Hierbei wird die Resilienz des betreffenden Unternehmens bewertet und eine Resilienzanalyse vor, während und nach einem disruptiven Ereignis vorgenommen. Entscheidende Attribute von resilienten Systemen sind Widerstandsfähigkeit, Anpassungs- und Absorptionsfähigkeit sowie Erholungs- und Lernfähigkeit.

 

Die Projekte FReE und KMU-Lagebild

FReE ist ein Onlinetool, mit dem Unternehmen ihre Resilienz bemessen können. Es basiert auf einem strukturierten Fragebogen mit 64 Fragen zur Resilienz des Unternehmens, die chronologisch in die Phasen vor, während und nach einer Disruption gegliedert sind. Aus den Antworten ergeben sich kompakte Darstellungen, anhand derer die Leistung des Unternehmens in den verschiedensten Teilbereichen sichtbar wird. 

Im Projekt KMU-Lagebild werden kleine und mittlere Unternehmen dabei begleitet, eine methodisch umfassende Resilienzbewertung für sich vorzunehmen und die Auswirkungen möglicher Disruptionen festzustellen. Kleine und mittlere Unternehmen repräsentieren die sozial und wirtschaftlich vorherrschende Unternehmensgröße in der Europäischen Union, sie werden oftmals als das »Rückgrat der deutschen Wirtschaft« bezeichnet. Um das KMU-Lagebild zu erstellen, werden das Unternehmen, seine Untereinheiten sowie alle Abläufe und Prozesse am Computer modelliert. Darüber hinaus werden Abläufe und Prozesse zeitlich diskretisiert, indem in Zahlen vermerkt wird, welche Inputs ins unternehmerische System gelangen und dort weiterverarbeitet werden. Zur Bewertung der Resilienz können dann verschiedene Störszenarien eingespielt werden, wodurch im KMU-Lagebild sichtbar wird, wie das System darauf reagiert. Auf diese Weise können Gegenmaßnahmen priorisiert und so die Resilienz des Unternehmens optimiert werden.