SIRIUS - Software für sichere Evakuierungen

Erfolgreiche Anwendung einer neuen Software bewahrt Frühchen und Intensiv-Patienten vor Evakuierung#

Bei einer der größten Evakuierungen der Nachkriegszeit am 12. Januar 2020 in Dortmund konnten mithilfe einer neuen Softwarelösung für die Gefährdungsanalyse bei der Kampfmittelräumung, basierend auf der am Fraunhofer EMI entwickelten Software Apollo Blastsimulator, Frühchen und Intensiv-Patienten vor einer Evakuierung bewahrt werden.

© virtualcitySYSTEMS

Verborgene Blindgänger

Die Altlasten der Weltkriege bringen immer wieder neue Gefährdungen zutage: 1,3 Millionen Tonnen Bomben wurden über dem Bundesgebiet abgeworfen, davon sind noch etliche als Blindgänger in den Böden unserer Städte verborgen. Wird eine Bombe gefunden, bedeutet das für die Anwohnerinnen und Anwohner, aber auch für Kitas, Krankenhäuser oder Pflegeheime aufwendige und gefährliche Evakuierungen.

© Fraunhofer EMI

Einmalige Genauigkeit der Simulation

Im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt SIRIUS (Simulationsbasierte Gefährdungsanalyse im urbanen Raum für Einsätze des Kampfmittelräumdienstes) ist es dem Unternehmen virtualcitySYSTEMS und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Fraunhofer EMI in Zusammenarbeit mit der Kampfmittelräumung NRW gelungen, anhand von 3D-Stadtmodellen die komplexe urbane Druckwellenausbreitung und den Splitterflug in bisher nicht erreichter Genauigkeit und Geschwindigkeit zu simulieren und zu analysieren.

© Fraunhofer EMI

Basierend auf 3D-Stadtmodellen hat das Projektteam eine Simulationslösung entwickelt, die es erlaubt, die die Druckwellenausbreitung und den Splitterflug bei einer Bombendetonation zu simulieren. Die neuen Berechnungsmethoden ermöglichen es, die Gefährdungsbereiche rund um den Fundort der Bombe zu bestimmen. Die Ausbreitung der Druckwelle und des Splitterflugs bei einer möglichen Detonation wird durch die Software grafisch dargestellt. Die Kampfmittelräumdienste erkennen anhand der Daten die sicheren Bereiche, aber auch die Gefahrenzonen einer möglichen Detonation.

Frühchen und Intensivpatienten vor Evakuierung verschont

Beim Einsatz in Dortmund konnten durch den Einsatz der Software 600 Personen in den Krankenhäusern bleiben. Der Einsatzleiter des Krisenstabs und Dezernent für Bauen und Infrastruktur der Stadt Dortmund Arnulf Rybicki bestätigte, dass mithilfe der numerischen Simulation sichere Bereiche der Städtischen Kliniken identifiziert werden konnten. Dorthin wurden Intensiv-Patienten und Frühchen gebracht und so vor einer Evakuierung aus dem Krankenhaus verschont.